Agieren statt reagieren – so lautet angesichts des „War for Talents“ inzwischen für viele Arbeitgeber das Motto. Gerade im Gesundheitswesen besteht aufgrund der demografischen Entwicklung Handlungsbedarf. Wie Personalmanager von Kranken- und Pflegeeinrichtungen auf den Mangel an Fach- und Führungskräften reagieren können, demonstriert die Themenreihe „Personal und Gesundheitswirtschaft“ am 12. Oktober auf der Messe Zukunft Personal in Köln.
Der demografische Wandel schreitet unaufhaltsam fort – und damit auch die Verknappung potenzieller Fach- und Führungskräfte. Für das Gesundheitswesen kommt erschwerend hinzu, dass medizinisches Fachpersonal oftmals im Ausland bessere Arbeitsbedingungen vorfindet als hierzulande. Was also tun, um der Entwicklung entgegenzutreten?
Prof. Dr. Juhani Ilmarinen vom Institut für Arbeitsmedizin Helsinki (FIOH) in Finnland setzt den Hebel bei der Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter an: „Die Ressourcen der Menschen müssen zu ihren Arbeitsanforderungen passen“, so der finnische Professor. „Voraussetzung für eine hohe Work Ability ist außerdem die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmer.“ In seinem Vortrag stellt er diese Faktoren im Spiegel des Alterungsprozesses dar. Anhand von Forschungsergebnissen und Best-Practice-Beispielen umreißt er Instrumente, die die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft entscheidend verbessern.
Dazu gehören auch die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen, die sehr belastend für die Beschäftigten sein können: viele Überstunden, gestresste Kollegen und allgemeine Unzufriedenheit. Hinzu kommt, dass sich die Patienten oftmals in Lebenssituationen befinden, die einer engagierten Zuwendung bedürfen. Detlef Friedrich, Mitinitiator der Deutschen Gesellschaft für Controlling in der Sozialwirtschaft, und Ingrid Smerdka-Arhelger, zuständig für die Zentralen Dienste Pflegemanagement des LBK Hamburg, vermitteln vor diesem Hintergrund praxisnahe Motivationsstrategien für Führungskräfte in Gesundheitsfachberufen.
Personalengpässe vermeiden
Auch Recruiting und Personalentwicklung liefern geeignete Ansätze, um die Personalnot zu mindern. Dr. Nicolai Kranz, Geschäftsbereichsleiter Personal und Organisation der Uniklinik Köln, stellt dazu ein zukunftsweisendes Projekt vor: Der ursprünglich für das Überhangmanagement gedachte interne Arbeitsmarkt „JobChange“ der Uniklinik Köln ist zu einer Jobbörse im Verbund und einer Plattform für Personalentwicklung geworden. Das Modell zeichnet sich durch die Vernetzung unterschiedlichster Akteure aus und eröffnet auch für andere Gesundheitsorganisationen völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Was die Personalentwicklung betrifft, kommt es vor allem darauf an, dass die Mitarbeiter Lernstrategien entwickeln, um die alltäglichen Anforderungen effektiv und selbständig bewältigen zu können. Christoph Hieber, Geschäftsführer von e/t/s Didaktische Medien GmbH, präsentiert dazu das Instrument „Lernen lernen“ für Auszubildende im Gesundheitswesen. Das Training soll die Kompetenzen für effektives Lernen im Kontext der Prüfungsvorbereitung stärken: Neben einem umfassenden Profiling der Lernstärken und -schwächen üben die Teilnehmer, wie sie praktische Probleme lösen und kooperativ lernen können.
Um den Fachkräftemangel zu überbrücken, wird auch Zeitarbeit zunehmend ein Thema für Einrichtungen im Gesundheitswesen. Georg Linsenmayer, Geschäftsführer Trenkwalder Personaldienste Medical Care GmbH, hinterfragt Kosten und Nutzen und beleuchtet, für welche Einsatzgebiete die Unterstützung von Personaldienstleistern Sinn macht.
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